Pampig by Nature

20. Januar 2012

Vor einigen Tagen durfte ich mal wieder “die Deutschen” bei einem ihrer liebsten Hobbies beobachten: Motzen und Stänkern.

Fall Nr. 1 in aller Früh im ICE von Frankfurt nach Essen. Ein Herr mittleren Alters kommt ins Abteil, sucht sich einen der reservierten Plätze aus (alle 6 waren reserviert) und macht es sich gemütlich. Kaum kommt die freundliche Zugbegleiterin zur fahrkartenkontrolle, kann es der Herr nicht mehr an sich halten und fährt die Dame an, dass er seinen Termin um 9:30 Uhr nicht einhalten könnte, da der erste Zug nach Düsseldorf wohl ausgefallen war. Er hatte in diesem Zug einen Platz reserviert und insistierte jetzt bei der Zugbegleiterin auf Ausgleich der Reservierungsgebühr in bar — was bei einem online gebuchten Ticket per AGB ausgeschlossen ist. Das versuchte ihm dann auch die so angemotzte Zugbegleiterin klarzumachen — ohne Erfolg. Der eilig herbeizitierte Zugchef konnte den Herrn dann doch noch ruhigstellen. Das war den Mitreisenden bisher zu dem Zeitpunkt nich gelungen.

Was mich allerdings verwundete, war die Tatsache, dass der Herr am Revers stolz das Emblem der Caritas trug — die ja eigentlich ein christliches Menschenbild propagiert und von ihren Mitarbeitern auch entsprechendes Handeln fordert.

Fall Nr. 2 — Rückfahrt im ICE von Essen nach Frankfurt. Mein Zug fährt ausgerechnet pünktlich ab und mir vor der Nase weg. Dumm gelaufen. Glücklicherweise fuhr nur 5 Minuten später schon der Nächste Richtung Frankfurt. Für mich hies das: Plätzchen suchen und hoffen, dass der eigentliche Eigentümer der Reservierung nicht auftaucht. Was bei zwei zusammengekoppelten Zügen nicht gerade unwahrscheinlich ist.

Einem Mitreisenden ging es wohl ähnlich, bzw. er hatte nicht reserviert und darauf gehofft, dass der Vierertisch, an dem er saß, nicht mehr besetzt wird. Dem war nicht so: es tauchten tatsächlich vier Herren auf, die ihre Plätze einnehmen wollten. Nur war das mehr als 10 Minuten nach Abfahrt, was der Sitz-Besetzer zum Anlass nahm, darauf zu bestehen, sitzen bleiben zu dürfen. Denn nach 10 Minuten würde jegliche Reservierung verfallen und freigegeben werden. Er versäumte dabei nicht, diese Belehrung lautstark im Großraumabteil kundzutun. Damit nicht genug. Nach einigem hin und her hat er dann “großzügig” den Platz freigemacht, sich eine Reihe weiter gesetzt und seinen neuen Sitznachbarn über die tieferen Geheimnisse der Reservierungsregelungen der DB aufgeklärt. Ob der Angsprochene das unbedgint wissen wollte, enzieht sich meimer Kenntnis, allerdings durfte auch hier wieder der ganze Wagen mithören.

Es ist wird mir auch weiterhin ein Rätsel bleiben, warum Menschen hier in Deutschland dazu neigen, in nicht existenziell bedrohlichen Situationen ein Theater zu veranstalten, als ob es ihnen an Leib und Leben gehen würde.

Please advice!

Kostenlose Energie für alle! … oh, wait.

10. November 2011

Einmal mehr hat jemand ein perpetuum mobile erfunden. Wie in der Sendung Wissen vor 8 der ARD vom 09.11.2011 zu sehen, haben Forscher eine Straße mit Piezoelementen gepflastert, um den Piezoeffekt zur Befeuerung von Schildern oder Ampeln zu verwenden.

Solange allerdings der Energieerhaltungssatz weiterhin gültig sein sollte, dann dürfte auch dieses Projekt keine Energie aus dem Nichts erzeugen. Denn irgendwer muss ja Energie in Form von Druck in die Piezoelemente geben, damit da Spannung entsteht und Strom rauskommt. Und das werden am Ende die Autofahrer sein. Ich stelle mir das so vor, das jedes Fahrzeug aus dem Tal/Minimum (eingedrücktes Piezoelement) wieder auf den nächsten Berg/Maximum klettern muss (nächstes Piezoelement). Ist zwar kein Höhenunterschied wie in den Alpen, aber die Masse der “Wellen”-Bewegungen macht’s. Und wenn es nicht der Höhenunterschied ist (schließlich drückt das Piezolement ja entgegengesetzt), dann dürfte sich auf jeden Fall eine bremsende Wirkung durch diese “Welle” ergeben. Als absoluter Laie auf dem Gebiet der Ingenieurskunst kann ich mit meiner Metapher natürlich auch voll daneben liegen. ;)

Man könnte das Ganze natürlich auch als eine Art direkt verbrauchsabhängige Maut ansehen: jeder beleuchtet seine Straße/Ampel/dynamischen Schilder durch erhöhten Spritverbauch selbst. “Saubere” Energie sieht anders aus. :(

Chaostag

06. September 2011

Auf dem Weg in die Heimat musste ich gestern einen späteren Zug nehmen als ursprünglich geplant. Um an die notwendigen Informationen zu kommen und noch gegebenenfalls ein kurzfristige Reservierung absetzen zu können, ging ich flux zur Reiseinformation. Dort angekommen, scheiterte ich erst mal am an der üblichen Warteschlange. Denn die DB hat anscheinend an allen größeren Bahnhöfen (z.B. Essen und Köln; in Frankfurt wird der Bereich zurzeit umgebaut) entsprechende Nummernautomaten aufgestellt, an denen man wie auf dem Amt sein Billett ziehen und dann bis zum Aufruf des selben warten muss — damit bewegen wir uns noch weiter zurück als in den guten alten Bundesbahnzeiten (sind das erste Schritte der Verstaatlichung vor dem eigentlichen Börsengang? ;) ). Man erhält seine Auskunft dadurch übrigens nicht schneller, wie man vermuten könnte.

Nummernzettel für die Warteschlange

Da wir aber in einer Zweiklassengesellschaft (mindestens!) leben und als Reisender erster Klasse man nicht unbedingt ein Kärtchen ziehen muss, darf man sich wie gewohnt an den Auskunftsschalter der ersten Klasse anstellen. Letztlich war die benötigte Information aber an einem Für-alle-Klassen-Schalter schneller eingeholt. Eine Reservierung war allerdings nicht mehr zu bekommen, da der Zug schon nicht mehr in den Buchungssystemen verfügbar war — auch das war im Nachgang als Glück zu betrachten, der Zug war nämlich nicht stark frequentiert.
Nachdem ich mir im Zug ein Plätzchen gesucht hatte, kam auch schon bald die Hiobsbotschaft des Tages:

“Die Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Siegburg und Frankfurt am Main ist wegen Personen auf dem Gleis, die unbefugt sind, vollständig gesperrt.”

Durchaus ein interessanter Satzbau. Da stellt sich ja prompt die Frage, wer da für was nicht befugt war. Aber dazu schwieg sich die Stimme aus dem Lautsprecher aus.

“Daher endet dieser Zug in Köln Hauptbahnhof. Bitte alle aussteigen.”

Das wiederum verhieß nichts Gutes. Es gibt zwar noch die alte Strecke am linken Rheinufer entlang, aber die Fahrt dort dauert eine Stunde länger und außerdem läuft dort ja auch entsprechender, planmäßiger Personennah-, -fern- sowie Güterverkehr. Alternativ von Köln/Bonn nach Frankfurt fliegen? Eher abwegig.

“Zu möglichen Anschlussverbindungen Richtung Frankfurt oder München können wir keine Auskunft geben, bitte wenden Sie sich an das Personal vor Ort.”

Na toll!

Gedanklich stellte ich mich damit schon mal auf grob drei Stunden zusätzlicher Reisezeit ein, bis ich wieder zu Hause wäre. In Köln stellte sich dann glücklicherweise heraus, dass die nächste planmäßige Verbindung nach Frankfurt regulär abfahren sollte und zu diesem Zeitpunkt entschieden würde, ob linksrheinisch gezuckelt oder auf der Ausbaustrecke Gas gegeben wird. Dummerweise empfahl die Dame am Infoschalter in Köln (da gab es auch wieder so eine Zettelzapfanlage) aufgrund ihres Systemausdrucks das Gleis Nr. 4, anstatt das Gleis Nr. 6 — wie auch der reguläre (!) Fahrplan sowie die Gleisanzeige verrieten.

Reiseauskunft

Wie der aufmerksame Bahnnutzer auf den ersten Blick erkennt, hat sich da wiedermal ein Funktionsfehler eingeschlichen, mit dem die Bahn und ihre Nutzer letztes Jahr schon mal zu kämpfen hatten: defekte Klimaanlagen.

Gleisanzeiger

Zum Glück der Reisenden konnte mit Einfahrt des Zuges in Köln für die Hochgeschwindigkeitsstrecke Entwarnung gegeben werden, insgesamt habe ich vielleicht eine Stunde länger benötigt. Also hier mal Lob an die Bahn, dass die Strecke so fix wieder frei war!

Dem Ganzen setzte dann nur noch die Krone auf, dass mich eine verirrte Wespe — verflixtes Insekt — mich ohne Vorwarnung kurz vorm Einschlafen in den Nacken gestochen hat. Ohne Worte…